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Ausprobiert: RSS-Reader “Times” im Zeitungs-Look
April 15th, 2009 Posted 10:36
Ich habe mir mal den RSS-Reader “Times” installiert und wollte gerne hier kurz meine Eindrücke schildern.
Im Unterschied zu vielen anderen Applikationen zum Konsumieren von RSS-Feeds stellt Times die Feeds als virtuelle Zeitung dar.
Die Anwendung erlaubt es dabei die horizontalen und vertikalen Spalten frei mit RSS-Feeds zu befüllen. Die Inhalte werden dabei als Überschrift und Artikelanreißer dargestellt. Mit einem Klick auf einen Eintrag wird mit einem Blättereffekt der komplette Artikel dargestellt.

“Times” unterteilt weiterhin alle Feeds in die von Zeitungen bekannten Ressorts wie “Wirtschaft”, “Technik” oder “Sport”.
Eine weitere interessante Möglichkeit ist das sogn. Shelf , welches wie wie eine Art Merkzettel funktioniert. Artikel können mit der Maus auf das Shelf gezogen werden, um sie für später zu speichern.
Positiv:
- Sieht gut aus
- Fühlt sich gut an
- Recht intuitiv zu bedienen
Negativ:
- Der Platz ist beschränkt, nur eine kleine Anzahl von Artikeln lässt sich gleichzeitig anzeigen (bei mehr als 20 Feeds funktioniert das Konzept nicht mehr)
- Das Layout ist starr, der Nutzer muss das vorgegebene Zeitungslayout mit der vorgebenen Spaltengröße verwenden
- Das Programm kostet Geld (30 US $)
Die Software richtet sich nicht an den digital native, der Inhalte fast auschließlich über Feeds konsumiert, sondern wie häufig beim Mac eher an Nutzer, die ein vielmehr ein schönes aber eben kein Power-User-Tool benötigen.
Die Anwendung kann man beim Entwickler Acrylic herunterladen und kostet 30 US $.
Relaunch SPD.de – Zeichen der Zeit erkannt?
Januar 21st, 2009 Posted 17:12
In der Blogosphäre wurde der Anfang dieses Monats vollzogene Relaunch von SPD.de bereits eingehend diskutiert.
Ich glaube dennoch, dass das Thema “Government2.0″ (dummes Wort!) gerade im sogn. “Superwahljahr 2009″ (auch dumm!) super interessant ist und es sich eine weitere Auseinandersetzung mit dem Thema lohnt.
Bevor man sich den Relaunch des SPD-Portals näher anschaut kommt man eigentlich nicht umhin sich mit dem Internet-Wahlkampf von Obama zu beschäftigen.
Ich glaube es ist schwer zu sagen, wie stark das Web Obama zum Sieg in der US-Präsidentschafts-Wahl 2008 verholfen hat – und wie sehr andere Faktoren wie bspw. die Haltung zum Irak-Krieg. Sicher ist aber, dass Obama auch deswegen so erfolgreich war, weil er bzw. sein Team das Internet so geschickt und einem bisher unbekannten Ausmaßen in den Wahlkampf eingebunden hat.
Die extrem erfolgreiche Online-Strategie, die ebenfalls durch technische Innovationskraft aufgefallen ist, wirft verständlicher Weise die Frage auf, ob die Erfolgsfaktoren auf andere Kampagnen bzw. auch auf deutsche Parteien adaptiert werden können.
Generell sollte man wissen, dass Obama jedoch nicht “irgendwer” ist – wie man gestern auch wieder beim Massenansturm zu seiner Vereidigung gesehen hat.
Vielmehr wird Obama in diesem Sinne zutreffend eher als Popstar verehrt denn im deutschen Sinne als Politiker gesehen. Hinzu kommt, dass zu der Zeit des US-Wahlkampfes weitere fruchtbare Rahmenbedingungen vorgeherrscht haben und bspw. das Thema “Politik” auch bei gerade jungen Leuten viel Aufmerksamkeit entgegengebracht wurde – was natürlich auch an dem murksigen Bush lag.
Hierbei sieht man schon, dass es nicht leicht ist und auch nicht das Ziel sein kann den Erfolg von Obama im WWW nun 1:1 zu kopieren.
Einige Erfolgsfaktoren lassen sich aber vielleicht trotzdem übertragen … so dachte zumindest die SPD bzw. die entsprechende Online-Agentur.
Neben dem überarbeiteten Webauftritt ist die SPD auch schon durch Thorsten Schäfer-Gümbel aufgefallen, der via Twitter (@tsghessen) seinen Followern Fragen beantwortet und sie an den Aktivitäten des Tages teilhaben lässt. Er konnte innerhalb eines Tages immerhin über 350 Follower verzeichnen konnte.
Ebenfalls twittert der SPD-Generalsekretär Hubertus Heil (@hubertus_heil) schon seit geraumer Zeit und hat immerhin fast 1700 Follower. Das ist natürlich nichts gegen die fast 150.000 von Obama … aber der Vergleich ist natürlich auch total unsinnig
Was macht Obama so sehr anders als die SPD?
Generell hat Obama gezeigt, dass ein direkter und offener Dialog notwendig ist und sehr frühzeitig auf soziale Online-Netzwerke gesetzt. Die Netzwerkeffekte haben im Online-Wahlkampf einen riesigen Beitrag geleistet und Botschaften über Multiplikatoren an eine große Gruppe an Netzwerk-Mitgliedern transportiert.
Sehr wichtig war auch, dass die Online-Aktivitäten eng mit Aufgaben in der echten Welt verzahnt wurden. Obama hat verstanden, dass es letztlich darum geht, jemanden zum Spenden, zum Telefonieren, zum Briefeschreiben oder zur Teilnahme einer Party zu bewegen.
Er hat es letztlich geschafft Anhänger politisch zu aktivieren, um eigene Inhalte, Meinungen und Wünsche zu veröffentlichen und sich aktiv in den Wahlkampf einzubringen
Seine Anhänger hatten große Freiheiten mit der Community MyBO selbst Dinge zu erstellen und zu organisieren (durch ein Incentive-System wurden die Unterstützer bei Obama für Ihre Aktivitäten belohnt und erhielten sogn. “Activity Points”).
Zurück zur SPD: Anfang Januar 09 wurde SPD.de gerelauncht – und sieht im Vergleich mit der vorigen Website und auch bspw. mit CDU.de deutlich Web2.0lliger und freundlicher aus. Dies gelingt durch großformatige Bilder auf der Startseite, die jeweils einen Einstieg in die entsprechende Artikelseite darstellen.
Etwas konfus finde ich die Usability bzw. die Nutzerführung, da die Navigationspunkte neben der explorativen Bühne kleine Kreise mit einer Zahl beinhalten. Die Zahl gibt die Anzahl der Teaser-Artikel je Navigationspunkt in der Bühne an.
Die eigentliche Hauptnavigation muss zunächst aufgeklappt werden – ich bezweifel, dass Nutzer dies in jedem Fall verstehen.
Der neu gestaltete und omnipräsente Würfel sowie der Claim “Anpacken. Für unser Land.” machen sich aber ganz gut.
Neu sind auch die Links zu Flickr und YouTube, die anscheinend eine neue und dezentrale herangehensweise (Publizierung von Inhalten auf anderen Plattformen) unterstreichen.
Was ist überhaupt die Online-Strategie einer Party wie der SPD? Ich eine Online-Plattform kann neben der Darstellung des Grundsatzprogramms, einer (hofflungsvollerweise) schnellen Berichterstattung, Terminen, allgemeinen Infos usw. vor allem auch einen direkten Dialog mit dem Bürger eingehen.
Solche partizipativen Elemente sucht man jedoch auf SPD.de vergeblich – diese dialog-orientierten Features sind auf die SPD-Community meinespd.net ausgelagert.
Abschließend lässt sich sagen, dass ein Polit-Webauftritt nun allerdings nicht abhängig von der Anzahl der Web2.0-Features ist – wichtiger ist das Verständnis und die Auffassung dieser offenen Kommunikations-Methodik bei allen wichtigen SPD-Kommunikatoren.
Dies ist etwas was ich Obama – und den Amerikanern allgemein eher abnehme als bspw. der SPD. Die SPD wird sich hier noch beweisen müssen.
Tags: Government2.0, Obama, SPD, Web2.0
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